Wo wir essen: Die Restaurants unserer Golfreisen

Es gibt einen Satz, den ich von Gästen häufiger höre, als man erwarten würde: „Das Essen war fast noch besser als das Golf.“
Man kann das komisch finden. Man kann aber auch verstehen, warum. Eine Golfrunde dauert vier Stunden, ein Abendessen zwei – und am Tisch sitzt man mit denselben Leuten, mit denen man morgens noch um den Ball gestritten hat. Der Abend ist der Teil der Reise, an dem aus einer Gruppe eine Runde wird.
Und die Kapregion macht es einem leicht. Zwischen Kalk Bay und Knysna liegen Restaurants, für die man in Europa Monate im Voraus reservieren müsste – mit Tischen über dem Wasser, in Weinbergen und an Lagunen.
Ein Hinweis vorweg: Die Abendessen sind nicht im Reisepreis enthalten. Was wir übernehmen, sind die Reservierungen und die Fahrten. Sie kümmern sich um nichts – und zahlen nur, was Sie essen.
Warum nicht jeden Abend das beste Haus möglich ist
Eines vorweg, weil es sonst niemand sagt: Die besten Adressen sind nicht immer offen. Cavalli und Morgenster in Somerset West haben montags, dienstags und mittwochs geschlossen. Fällt unser Abend dort hinein, nehmen wir, was möglich ist – und das ist selten schlecht.
Deshalb wechseln die Restaurants von Reise zu Reise. Die folgenden Häuser sind die, in denen wir regelmäßig sitzen. Welche es auf Ihrer Reise werden, hängt vom Kalender ab.
Und manchmal bleiben wir bewusst im Hotel. Das hat einen Vorteil, den man erst schätzt, wenn man ihn erlebt hat: Jeder entscheidet selbst, wie lange er am Tisch sitzen bleibt. Wer müde ist, geht zwei Türen weiter ins Bett.
Kalk Bay: Harbour House
Der erste Abend am Kap führt uns nach Kalk Bay, einen alten Fischerort auf der Halbinsel. Das Harbour House sitzt buchstäblich auf den Felsen über dem Hafen – bei rauer See schlagen die Wellen an die bodentiefen Fenster, während drinnen Austern serviert werden.
Der Fisch kommt vom eigenen Boot. Auf der Hafenmauer liegen Robben, im Hafen liegen Fischerboote, die noch fahren. Das Haus gibt es seit 1996, und man merkt, dass es hier nicht um Dekoration geht. Vom Tisch blickt man über die False Bay bis zu den Hottentots-Bergen.
Somerset West: drei sehr verschiedene Abende
Unser Quartier am Kap liegt in Somerset West. Von hier aus haben wir die Wahl.
Steffanie’s Place liegt oben an der Irene Avenue, auf einem Hügel über der Stadt. Ein Familienbetrieb seit über 25 Jahren, mediterrane Küche. Die Terrasse geht auf die False Bay hinaus, und wenn es dunkel wird, verwandelt sich die Bucht unter einem in ein Lichtermeer.
Cavalli liegt an der R44 Richtung Stellenbosch. Das Restaurant wurde bei den Eat Out Awards als stylischstes Restaurant Südafrikas ausgezeichnet und ist das erste Green-Star-zertifizierte Restaurant des Landes. Küchenchef Lucas Carstens kocht mit Gemüse und Kräutern aus dem eigenen Garten. Man sitzt an einem Damm, dahinter die Helderberg-Berge. Auf dem Gut gibt es außerdem eine Kunstgalerie und ein Gestüt – Cavalli heißt Pferde auf Italienisch.
The Restaurant at Morgenster gehört zu einem Wein- und Olivengut, das auf das Jahr 1711 zurückgeht. Italienische Küche, das Restaurant liegt am Rand eines Damms, dahinter der Helderberg. Wer vorher Zeit hat: Die Olivenöl-Verkostung lohnt sich, und das mit Zitrone aromatisierte Öl schmeckt tatsächlich auf Eis.
Das Weinland: Tokara, Delaire Graff, Post & Pepper
An dem Abend, an dem wir De Zalze gespielt haben, bleiben wir im Weinland.
Tokara thront 400 Meter hoch auf dem Helshoogte-Pass. Von den Fenstern blickt man über Stellenbosch bis zur False Bay, im Saal hängen fünf großformatige Wandteppiche von William Kentridge, einem der bedeutendsten Künstler Südafrikas. Küchenchefin Carolize Coetzee kocht, was sie „plaaskos“ nennt – Farmküche, aber verfeinert. Tokara steht auf der internationalen Liste World’s 50 Best Discovery.
Delaire Graff liegt gleich gegenüber. Die Terrasse öffnet sich über Weinberge und Olivenhaine bis ins Banghoek-Tal. Innen: Kunst, viel Kunst. Das Anwesen gehört einem Diamantenhändler, und man sieht es.
Post & Pepper in Stellenbosch ist das Gegenteil von beidem: kein Panorama, keine Galerie. Dafür trägt es einen Eat-Out-Stern – die höchste Auszeichnung, die Südafrika für Restaurants vergibt.
V&A Waterfront: der Abend, an dem ich nichts reserviere
Nach dem Ausflug zum Tafelberg landen wir an der Waterfront in Kapstadt. Und hier mache ich etwas, das ich sonst nicht tue: nichts.
Es gibt an der Waterfront Dutzende Restaurants, darunter ein zweites Harbour House. Meine Gäste sollen selbst entdecken. Es muss nicht immer Gruppenzwang sein – manchmal ist der schönste Abend der, an dem man um sieben allein losgeht und um elf mit einer Geschichte zurückkommt.
George: 101 Meade Street und The Fat Fish
An der Gardenroute wird es bodenständiger, ohne schlechter zu werden.
101 Meade Street wird von zwei Köchen geführt, Jeremy und Ben, die in London, Schottland, Frankreich, Portugal und Italien gearbeitet haben, bevor sie zurückkamen. Ihr Motto steht auf der Karte: Simple, Seasonal & Social. Offene Küche, Brot wird täglich gebacken.
The Fat Fish in der York Street ist unkomplizierter: Fisch, große Portionen, entspannte Runde. Nach einer Runde auf dem George Golf Club genau das Richtige.
Mossel Bay: Café Gannet
Seit 1988 nennt man das Café Gannet „Mossel Bay’s Seafood House“, und der Name ist kein Marketing. Austern, Miesmuscheln und Seezunge kommen täglich aus dem Hafen, der ein paar Schritte entfernt liegt. Dazu über fünfzig südafrikanische Weine. Wir gehen an dem Abend hin, an dem wir mittags an den Klippen von Pinnacle Point gespielt haben. Es passt.
Knysna: Sirocco an der Lagune
Sirocco liegt auf Thesen Island, direkt am Wasser. Benannt ist es nach dem warmen Wind, der über das Mittelmeer weht, und die Küche macht daraus ein Versprechen: Meeresfrüchte, Austern, Pizza aus dem Holzofen.
Vom Tisch blickt man über die Knysna-Lagune zu den Heads, jenen beiden Felsentoren, durch die das Meer in die Lagune strömt. Am Vormittag hat man sie von oben gesehen, vom Simola Golf Club. Am Abend sitzt man davor.
Hermanus: der letzte Abend
Die Reise endet dort, wo die Wale sind. Das Abschlussessen findet im Arabella Hotel statt – und zwar aus einem praktischen Grund: Am nächsten Morgen geht es früh zum Flughafen, und der Koffer will noch gepackt werden. Niemand muss mehr fahren.
Man sitzt zusammen, rechnet Scores nach, die keine Rolle mehr spielen, und tauscht Adressen. Und der eine oder andere kommt im nächsten Jahr wieder.
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