Es mag sich erst einmal komisch anhören, dass ausgerechnet ein Deutscher den Grundstein für das weltweit größte Museum für moderne afrikanische Kunst gelegt hat, entspricht aber der Tatsache. Der ehemalige Chef von Puma Jochen Zeitz ist ein großer Fan und Sammler afrikanischer Kunst und gab so vor vielen Jahren den Bau für das MOCAA (Museum of Contemporary Art Africa) in Auftrag. Was früher noch 42 Getreidesilos waren, ist heute ein architektonisch verblüffendes Highlight auf dem Geländer der V&A Waterfront.
Das Kunsthaus erstreckt sich auf über sage und schreibe neun Stöcken ca. 57 Meter in die Höhe und stellt damit eine Fläche von 9500m² zur Verfügung. Auf 6000 m² werden verschiedene Ausstellungen gezeigt, die in zeitlichen Abständen das Thema wechseln. Wo draußen eine laute Stimmenkulisse aus Touristen, Möwen und Seglern herrscht, findet man im Inneren meditative Ruhe. Das Licht ist leicht gedämpft und die einstigen Silos verbreiten bereits eine Art geschichtlicher Stimmung. Die Räume selbst zeigen die wohl bemerkenswerteste Sammlung an modernster afrikanischer Kunst der Gegenwart. Nicht zu vergleichen mit dem, was wir aus unseren heimischen Museen in Deutschland kennen. Da sich besonders afrikanischen KünstlerInnen oft wenig Raum für ihre Werke bietet, stellt ihnen das Museum eine gesonderte Fläche für zeitgenössische Kunst zur Verfügung. Doch das Gebäude selbst dient nicht nur als Museum und Restaurant, sondern führt sogar ein betriebenes Luxushotel mit Blick über Kapstadt.
Das MOCAA ist nicht nur ein anerkannter Ort für Kultur, sondern auch eine Art Wahrzeichen für die frühere Industrie von Kapstadt. Die Silos prägten lange das Bild der Stadt. Hier kamen früher viele Schiffe angefahren und brachten den Reichtum Afrikas in die Welt hinaus. Heute kommen die Menschen von weit her, um die wachsende Kunstszene des Kontinents zu bestaunen. Besonders wichtig war es den Entwicklern des Museums, zu zeigen, dass sich in der Kunst auch immer ein Stück Kolonialgeschichte widerspiegelt. Das MOCAA – Zusammenhang von Kunst und den Missständen des Kontinents



Afrika ist bunt und lebendig. Viele der KünstlerInnen, die ihre Werke im MOCAA ausstellen, benutzen alltägliche Gegenstände oder greifen auf vererbte Stücke zurück, um das Leben afrikanischer Menschen aufzuzeigen. Dabei entsteht herausragende und außergewöhnliche Kunst. Neben Freude und Glück wird allerdings verdeutlicht, wie groß der Kampf um Freiheit und Identität auch im 21. Jahrhundert noch ist. Dabei leiden viele KünstlerInnen mit dem Ausdruck Ihrer Kunst oft unter Gefahr und Unterdrückung. Bei einem Aufenthalt im MOCAA erhält man viele Eindrücke und Wahrnehmungen über die emotionale Geschichte Afrikas, dessen Kunst und Auswirkungen. Es wird klar, dass viele alte Zustände, leider auch heute noch Thema sind. Es soll bewusst gemacht werden, wo Reichtum ist, herrscht auch Armut, wo Glück, da auch Trauer. Die Stille im Inneren des Gebäudes unterstreicht die Bedeutsamkeit dieser Zustände und führt Sie von Stockwerk zu Stockwerk durch die Heilige Stätte der zeitgenössischen Kunst Afrikas. Einige Ausstellungen afrikanischer KünstlerInnen zum Thema Gegenständlichkeit und Botschaft:
Künstlerinnen und Künstler im MOCAA
Nandipha Mntambo ist eine südafrikanische Künstlerin aus Swasiland und thematisiert die Grenzen der Frauenrolle, Leben und Tod sowie Mensch und Tier in ihren Skulpturen, Videos und Fotografien. Ihr Beitrag waren beeindruckende Roben aus geerbten Kuhhäuten.
Athi-Patra Ruga möchte die vorherrschende Gegensätzlichkeit in Afrika aufzeigen. Dies gelingt ihm durch Fotografie, Vorführungen und Kostüme. Viele seine Werke spiegeln das Leben zwischen Traum und Realität wider. Er fertigte florale Figuren, überzogen mit prachtvollem Gold.
Kendell Geers gestaltet hängende Ziegelsteine mit den Worten: „In diesem neu erfundenen Vokabular wurden zerbrochene Flaschen, Ziegel, Stacheldraht, Elektrozäune und andere Alltagsgegenstände zu aktiven Protagonisten in einer viel größeren Erzählung, die jenseits der Grenzen des White Cube existierte.“
Lungiswa Gqunta, eine junge Künstlerin, präsentiert die erschreckende „Einfachheit“ von der Herstellung gefährlicher Waffen aus vertrauten Gegenständen. Sie möchte damit zeigen, wie groß die Aggressivität auf dem Kontinent auch heute noch ist. So reichen Betttücher, Bierflaschen und Zündhölzer aus um eine Benzinbombe zu entwerfen. Sie sollen auf die Mobilisierung von Widerstands- und Handlungsmodellen hindeuten.
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